Dazu komme eine enorme Schulungsmaschinerie: „Man hat sehr viele Schulungen durchgeführt – für alle möglichen Akteure: für die Polizei, für die Justiz, auch in der Politik.“ Und irgendwann, so Krickler, sei daraus ein falscher Pflicht-Glaube entstanden: „Irgendwann haben alle geglaubt: ‚Wir müssen das machen – das schreibt uns die UNO vor, das schreibt uns der Europarat vor, das schreibt uns die EU vor.‘“ Sein Zusatz ist klar: „Aber das ist ja nicht der Fall.“ Symbolpolitik angeführt durch Menschenrechtsorganisationen hat schlussendlich zu einer Implementierung von jenen Bekenntnissen geführt wodurch eine ganze Industrie entstanden ist. Canceln statt Debatte: „Die Medien haben versagt“ Krickler spart nicht mit Kritik am öffentlichen Diskurs: „Die Medien haben versagt – wirklich.“ Gleichzeitig habe es Druck gegeben, bis in die Institutionen hinein: „Und die Höchstgerichte haben sich dem [teilweise] angeschlossen und angehängt.“ Vor allem aber sei Kritik systematisch delegitimiert worden: „Jegliche Kritik […] wurde sofort mit dem Totschlagargument, mit dem ‚Hammer‘ niedergemacht: ‚transphob‘, ‚homophob‘.“ Die Wirkung beschreibt er drastisch: „Man hat die Leute wirklich eingeschüchtert – auf europäischer Ebene genauso wie auf österreichischer Ebene.“ Er schildert, dass dies nicht nur einzelne Parteien betroffen habe: „Da wurden schon ganze Karrieren zerstört.“ Und weiter: „Viele kritische Professoren an den Unis wurden dann durch Shitstorms niedergemacht – die haben ihre Jobs verloren, ihre Professuren verloren, ihre Arbeit.“ Viele würden sich deshalb nicht mehr äußern: „[…] weil sie um ihre Karrieren fürchten.“